Lesenswertes: Literatur und Berichte
Breakfast on Pluto (Filmkritik) NEU!
Als Tanja - Sechs Wochen zur Kur in Bad Wildungen
Am
Transvestitenstand war immer was los
Kirsten berichtet von unserem Infostand in Frankfurt
Ist
doch alles transnormal
Bio-Frau trifft TV
Transnormal
mit Biofrau durch Köln
Donnas Geschichte vom kleinen Zeh
Buchempfehlung
Träume in den erwachenden Morgen
Anprobe
Ein Gedicht von Gerda Sonjawask
Breakfast on Pluto - Ein Bärendienst für die Sache der Transvestiten
Breakfast on Pluto ist ein Film des britischen Regisseurs Neil Jordan aus dem Jahr 2005. Der Independentfilm basiert auf dem Roman von Pat McCabe, Breakfast on Pluto aus dem Jahr 1998.
Ein junger irischer Transvestit, als Baby ausgesetzt, ist im London der 70er Jahre auf der Suche nach seiner Mutter. nach vielen skurrilen Begebenheiten landet er auf dem Londoner Straßenstrich. Am Ende findet er tatsächlich seine Mutter und sogar seinen Vater, einen katholischen Priester.
Die Filmkritik preist diesen Film und die darstellerische Leistung des Hauptdarstellers Cillian Murphy in hohen Tönen: eine märchenhafte Verfilmung, ein unverschämt toller Transenfilm, brillant erzählt.
Der durchgängig klamaukhafte Stil - nur von wenigen kurzen brutalen Szenen unterbrochen - überlagert die an wenigen Stellen durchscheinende tragische Suche des von einem als Baby ausgesetzten homosexuellen Transvestiten nach der eigenen Identität, sowie der Suche nach seiner Mutter. Der Anschein der Ernsthaftigkeit wird in diesem Film auch nicht durch den tragischen IRA-Hintergrund und der Terroranschläge erweckt. Nein, die 30 Kapitel bestehen fast durchweg aus primitiver "Komik", die einem nicht mal ein müdes Lächeln entlocken kann. Die Hauptperson empfinde ich als albern, überzogen und wenig authentisch dargestellt, die meisten Szenen kitschig-naiv. Nach 1 Stunde verließ eine Besucherin den Kinosaal mit der Bemerkung: "Die primitive Pornoqualität ist unerträglich."
Die wundersame, zu Tränen rührende Familienzusammenführung am Ende ändert nichts an der negativen Gesamtstimmung, die dieser Film zum Thema "Transvestit sucht seine Mutter" hinterlässt.
Ich habe diesen Film mit den Augen eines Transvestiten betrachtet und muss sagen, dass er dem Image der Transvestiten im 21. Jahrhundert einen Bärendienst erweist. Unverdrossen versuche ich als Transvestit in der Öffentlichkeit (Einkaufsstraßen der Großstädte, Kaufhäuser, Cafés, Restaurants, Opern- und Konzerthäuser) ein positives Bild abzugeben und eine gewisse Akzeptanz zu erzielen. In diesem Film wird der Transvestit als alberne, übertriebene, homosexuelle Tunte gezeichnet, die nichts anderes im Sinn hat, als unterschiedliche Männer anzumachen, wobei die unechte, affektierte Quietschestimme den Kinobesucher 2 Stunden lang strapaziert und nervt.
Schade, dass "Breakfast on Pluto" wieder einmal Wasser auf die Mühlen der Vorurteile der breiten Öffentlichkeit ist: Transvestiten sind geile, homosexuelle Männer und Tunten.
Zum Glück gibt es auch noch gute Filme zum Thema Transvestismus und Transsexualität, wie z. B. "Transamericana" - einmal quer durch die Staaten. Diese ungewöhnliche Vater-Sohn-Beziehung ist bitter-süß, gesellschaftskritisch und auch humorvoll. Felicity Huffman gibt hier in markantem Make-Up und mit tiefer Stimme ein ungewohntes Bild ab, überzeugt aber durch ihre feinfühlige Darstellung und ihren Mut zur Andersartigkeit. In "Transamerica" wird in ruhigem Ton die Geschichte zweier liebenswerter Außenseiter erzählt, die von der Gesellschaft gemieden werden: Ein bewegendes Plädoyer für Toleranz und individuelle Lebensentwürfe.
Stella
Meinungen zur Kritik und dem Film an: tvvfrankfurt@yahoo.com
Ginkgo
biloba
Dieses
Baumes Blatt, der von Osten
Meinem Garten anvertraut,
Gibt geheimen Sinn zu kosten,
Wie´s den Wissenden erbaut.
Ist es
Ein lebendig Wesen,
Das sich in sich selbst getrennt?
Sind es Zwei, die sich erlesen,
Daß man sie als Eines kennt?
Solche
Frage zu erwidern
Fand ich wohl den rechten Sinn;
Fühlst du nicht an meinen Liedern,
Daß ich eins und doppelt bin?
Johann Wolfgang von Goethe

Ich bin ich, weil
ich denke und fühle.
Ich bin Karl und ich bin Carola.
Ich bin manchmal schwach, zurückgenommen.
Ich bin stark, sensibel, durchsetzungsfähig.
Ich bin gescheit und gelegentlich dämlich.
Ich bin kein Macho und kein Softie.
Für die Menschen in meinem Leben bin ich ein ganzer Kerl,
Und für manche bin ich Carola.
Ich bin weich, nah' am Wasser gebaut.
Ich liebe meine Frau, und ich weiß, dass sie mich liebt,
Wie ich bin.
Ich kann mitreißen, kann argumentieren, Leute überzeugen.
Ich kann zuhören, kann trösten.
Ich weiß meistens einen Rat.
Ich bin belesen und ahnungslos.
Ich kann auf Menschen zugehen,
Manchmal bin ich ein bisschen unsicher.
Ich habe mich immer behaupten können,
Und ich war oft verzweifelt.
Ich lebe gerne, denke positiv, doch es gab Zeiten,
Da hätte ich alles ohne Bedauern wegwerfen können.
Ich kann herzlich lachen, bin manchmal sehr traurig.
Ich komme zurecht damit.
Ich bin nicht arm, weiß aber auch,
Dass man Geld nicht umarmen kann.
Ich liebe das Leben, und ich weiß um das Ende.
Ich trage diese Frau in mir, in meinem Kopf, in meiner Seele.
Ich will in keine Schublade gesteckt werden.
Ich bin ein ganz gewöhnlicher Mensch.
Ich bin weiblich in einem Teil meiner Seele,
Und ich bin männlich im alltäglichen Leben.
Ich kann das eine sein, das andere lieben, manchmal ausleben.
So will ich respektiert werden.
Ich bin ich!
Sechs Wochen Kur, das hört sich eigentlich recht gut an. Aber diese Zeit ohne Tanja zu verbringen, nein das kann es wohl auch nicht sein. Aber bei 150 Leuten in der Kurklinik die einen nach ein paar Tagen alle kennen? Also erst einmal schauen wie die Gegebenheiten sind. Welche Leute sind hier, welche Örtlichkeiten bieten sich an? Ich entschloss mich zuerst meine soziale Stellung hier zu sichern, sodass jeder sehen konnte, dass ich eigentlich ganz normal bin.
Dann habe ich vier Frauen aus meiner Gruppe eingeweiht, die davon ganz begeistert waren und mir somit auch die nötige Rückendeckung gaben. Dem ersten Ausgang stand also nichts mehr im Wege. Beim Erscheinen in der Eingangshalle der Kurklinik dann erst mal staunende Blicke und viele Fragen, die ich zu beantworten hatte. Ich habe den Eindruck, dass ich durch mein Outing hier noch mehr Freundschaften geschlossen habe. Eine Frau sagte, dass ich ihr mit meinem Auftreten sehr geholfen habe. Ich gab ihr damit den Mut, sich zu ihren Gefühlen für eine andere Frau zu bekennen.
Der Besuch eines Vortrages in der Kirchengemeinde und der Besuch eines Weinlokales standen dann an. Beim Vortrag musste die Pfarrerin immer wieder einen interessierten Blick in meine Richtung werfen. So gestärkt hatte ich dann zwei Abende später auch kein Problem mehr vor 150 Leuten im Speisesaal zu erscheinen
Am nächsten Samstag ging ich dann mit vier Frauen in die Stadt zum Einkaufsbummel. Neue Stiefel hatte ich im Sinn. In der Fußgängerzone keinerlei Reaktion, mir scheint, die Leute schauen durch einen hindurch. In den vier Schuhgeschäften, in denen ich war, wurde ich höflich und zuvorkommend bedient. Weitere Erlebnisse waren ein Fototermin im Kurpark und eine Theateraufführung in der Wandelhalle.
In der letzten Woche war ich dann fast jeden Abend mit meiner Clique in einem Tanzlokal. Manchmal wurde ich von Männern zum Tanz aufgefordert, was ich dann aber abgelehnt habe. Einmal konnten wir uns auf dem Heimweg kaum vor Lachen halten, weil hinter uns ein paar Männer gingen, die sich über meine Beine und meine Stiefel unterhielten.
Aufgefallen bin ich schon dadurch, dass ich oft die einzige Frau war, die einen Rock trug und einige Frauen bewunderten mit ein wenig Neid meine Beine.
Alle diese Erlebnisse stärkten sehr das Selbstbewusstsein von Tanja, und ich habe auch als Frau die Heimreise angetreten und bin hier in unserem kleinen Ort, so wie ich war, aus dem Auto gestiegen.
Zugegeben eine Kurklinik ist ein wenig wie ein Paradies, weil die Leute hier offener sind und viel mehr Zeit haben, aufeinander zuzugehen. Aber ich denke trotzdem, dass die Akzeptanz für uns in der Bevölkerung recht groß ist. Ich kann daher nur allen raten, die noch nicht so weit sind, geht raus, geht unter die Leute, ihr könnt dabei nur gewinnen.
Tanja
"Wann kann man Euch denn sehen?" So oder so ähnlich begann manches Gespräch auf unserem Infostand am 15.6. anlässlich des Weiherstraßenfestes in Frankfurt-Ost.Trotz diverser Bedenken hatten wir uns entschlossen, uns einmal mit einem Transvestiten-Infostand an einem kleinen öffentlichen Fest zu beteiligen.
Unsere Gefühle waren doch sehr gemischt. Wie würde so etwas angenommen ? Wir hatten diverse Szenarien im Geiste durchgespielt: Vom absoluten Desinteresse bis hin zu emotionaler Eskalation. Joey meinte: "Wenn wir blöd angemacht werden, bauen wir den Stand sofort wieder ab."
Doch dass wir auf so viel Offenheit und Interesse stoßen würden, hatten wir wahrlich nicht erwartet. Natürlich spürte man die Scheu, sah die Fragezeichen in den Gesichtern der Festbesucher.
Unser Standpavillon war mit vielen Fotos ausgestaltet, die schon mal als Blickfang ihren Dienst versahen. Die ideale Ergänzung dazu war Joey, die mit ihrer offenen Art dann auch mal direkt auf die Leute zuging und ihnen meist auch das Thema ein wenig näher bringen konnte. Aber es war nicht nur Joey, die die Leute ansprechen musste, nein, viele kamen, stutzten, schauten und begannen von sich aus ein Gespräch.
Ebenfalls als "Eyecatcher", aber auch um zu zeigen, dass wir ganz alltägliche Dinge tun, bastelte ich Luftballontiere, die bei den Kindern einen reißenden Absatz fanden.
"Bei Euch war ja immer was los", war der abschließende Kommentar der Veranstalterin, als es uns endlich gegen halb sieben gelungen war, den Stand abzubauen. Ja, Frauen brauchen doch mehr Zeit, um ein Zelt abzuschlagen und wir waren recht froh, dass uns Tanja, die irgendwann auftauchte, helfen konnte. Tanja kam zwar inkognito (= Mann), doch auch das demonstrierte dem Publikum Normalität. Wir sind ganz normale Menschen.
Joey meinte dazu, dass die vielen Leute, die ihr zum Ende der Gespräche die Hand gegeben und uns viel Erfolg gewünscht hätten, dies sicher ernst meinten und aufgrund unserer präsentierten Offenheit mit einem völlig neuen und positiveren Bild vom Transvestiten das Fest verlassen hätten.
Zusammengefasst können wir feststellen: Diese Veranstaltung war ein voller Erfolg.
"Macht doch einen solchen Stand auch auf anderen Festen", wurden wir wiederholt ermuntert. Wir sollten darüber nachdenken!
Ist doch alles transnormal!!!
Mit einer Idee fing alles an. Ich studiere an einer Modeschule Textilmanagement und habe schon relativ zu Beginn meines Studiums überlegt, wie meine Abschlussarbeit mal aussehen soll. Frühere Studenten beschäftigten sich mit Wellness Mode. Mode für Fülligere oder entwickelten Zweitkollektionen für bekannte Designer. Schnarch mich an, wie langweilig! Dies schien mir alles zu banal. Meine Diplomarbeit soll kein 08/15-Thema behandeln. Plötzlich war sie da - die Idee: ich möchte eine Damenkollektion für den männlichen Körper entwickeln - das hat bestimmt noch keiner gemacht.
Sorgsam hütete ich meine Idee, denn ich wollte nicht, dass sie mir jemand klaut. Nur meinem besten Freund und ein paar studiumsunabhängigen Personen erzählte ich davon, denn ich wollte gerne etwas Feedback bekommen. Dieses fiel sehr positiv aus. Ich fühlte mich bestätigt und nahm mir fest vor, mein Thema zu verwirklichen. Nachdem es von der Studienleitung genehmigt wurde, konnte ich allen offen davon erzählen. Bei einigen kam zunächst ein leichtes Grinsen, dem aber anschließend der Ausdruck der Begeisterung folgte. Nur dachten viele, dass es sich dabei um Federboa und Chichi (verspielte Accessoires) handelt - sie hatten offensichtlich Bilder von Drag Queens wie Olivia Jones vor Augen. Was CD, TV und TS sind, wussten die wenigsten. Aber selbst die konservativsten und spießigsten unter ihnen fragten interessiert nach. So hundertprozentig unterscheiden konnte ich zu Beginn meiner Arbeit ja auch nicht, es gibt einfach zu viele feine Differenzierungen. Ich habe einige neue Begriffe gelernt. Was bitte ist eine Bio-Frau? Ach so, das bin ich. Wieder was dazugelernt.
Jetzt bin ich mitten in den Recherchen und je mehr ich mich damit beschäftige, desto größer wird mein Interesse. Ich laufe fast Gefahr, mein eigentliches Ziel, eine marktfähige Kollektion zu entwickeln, aus den Augen zu verlieren. Aber ich möchte einfach so viel wie möglich über meine Zielgruppe erfahren. Nicht nur von der "geschäftlichen" Seite, sondern auch von der menschlichen.
In der letzten Zeit ist der PC mein bester Freund geworden. Ich bin stundenlang im Internet, um Infos zu bekommen. Unglaublich, wie viele Links es gibt, wenn man "Transsexualität" oder "Transvestit" in die Suchmaschine eingibt. Das scheinen doch große Themen zu sein, So landete ich nach ewigen Surfen bei der TVV Frankfurt.
Ich schrieb eine E-Mail an Bea, um mit ihr Kontakt aufzunehmen. Ständig checkte ich meinen Posteingang, ich war so gespannt, ob sie antworten würde. Und siehe da: eine E-Mail von Bea. Sie schien sehr interessiert an meiner Arbeit zu sein. Wir mailten ein paar mal hin und her und schickten uns Bilder, denn wir waren sehr neugierig, welche Person sich hinter dem Namen verbarg. Wir vereinbarten ein Treffen in Frankfurt. Ich war total begeistert, wie viel Mühe sich Bea für mich machte.
Dann war es endlich soweit. Ich fuhr mit dem Zug von Hamburg nach Frankfurt. Ich freute mich schon richtig auf die Begegnung. Etwas aufgeregt war ich schon. Aber das lag mehr an der Tatsache, dass ich zuvor noch nie jemanden über das Internet kennen gelernt hatte, als an der Tatsache, dass Bea ein TV ist. Ich hatte keine Berührungsängste. Warum auch? Ich lernte einfach einen neuen Menschen kennen. Persönlich hatte ich vorher noch keinen TV kennen gelernt. Aber bestimmt schon mal gesehen. Auf dem CSD trifft man ja auch viele Männer in Frauenkleidern. Über die feinen Unterschiede, ob es ein TV, eine TS, eine Drag Queen (o.k., die erkennt man am auffälligen Styling) oder ein schwuler Mann ist, der gerade Lust hat im Fummel zu feiern, habe ich mir nie große Gedanken gemacht. Heute kann ich da besser differenzieren.
Ich muss auch des öfteren bei meinen Bekannten Aufklärungsarbeit leisten. Mit einem TV assoziieren die meisten, dass es sich um einen schwulen Mann handelt. Was ja auch nicht weiter schlimm wäre, aber es entspricht nun mal nicht den Tatsachen. Ich sage dann: "Ein TV ist ein ganz "normaler" Hetero, der sein Leben als Mann führt und gelegentlich seine weibliche Seite auslebt." Punctum. ??? Großes Erstaunen.
Direkte Ablehnung kommt von den wenigsten, aber wirklich verstehen können sie es wohl nicht. Ich glaube das liegt daran, dass sich die meisten Menschen zu sehr auf ihr eigenes Leben konzentrieren und nur selten aus ihrem kleinen Mikrokosmos heraustreten. Sei es aus Desinteresse oder einfach aus der Angst heraus, etwas Neues kennen zu lernen, das von ihrer persönlichen Norm abweicht. Aber wie definiert man normal? Ich glaube, dass jedes Individuum seine ganz eigene Interpretation von normal entwickelt. Es gibt kein allgemeingültiges Normal, das ist zumindest meine Meinung. Toleranz hat etwas mit Intelligenz zu tun, nun ja, die ist halt nicht jedem gegeben...;-)
Mit dieser Einstellung kam ich, ganz gegen meine Gewohnheit, pünktlich(!) zum vereinbarten Treffpunkt. Bea war bereits da. Zunächst plauderten wir ein bisschen, um uns kennen zu lernen. Dann gingen wir gemeinsam zum "Transnormal" Laden. Dort wurden wir freundlich von der Besitzerin zu einem Käffchen empfangen. Während sie kooperativ meinen Fragebogen ausfüllte (meine Marktforschung ist nun mal wichtig!), schaute ich mich im Laden um. Ich probierte auch mal die Gummitittchen und dachte nur "oh Gott sind die schwer". Ich beschloss, doch weiter mit meinen kleinen Mäusefäusten zu leben.
Zufällig kam ein Schneider vorbei, der mir seine selbstentwickelten Hüftpolster zeigte. Das, was ich verzweifelt versuche im Fitnessstudio loszuwerden, befestigt der TV unter der Strumpfhose. Die Geschmäcker sind verschieden.
Gummitittchen (Silikonbusen) , Hüftpolster, Make-up, Perücke, Enthaarung, Styling - unglaublich, was alles bedacht werden muss. Die Metamorphose vom Mann zur Frau muss für einen TV recht aufwendig sein. Mit dieser Erkenntnis ging ich am Abend nach Hause.
Ich freute mich schon auf das Treffen am nächsten Tag, denn da wollte ich beim TV Treffen noch einige interessante Menschen kennenlernen. Vor dem Treffen traf ich Bea und Joey, eine TV Freundin von ihr, in einem kleinen Cafe. Wir plauderten und widmeten uns den Fragebögen.
Da das TV Treffen erst später begann, beschlossen wir, noch etwas bummeln zu gehen. Wir wollten auf die Zeil, eine stark frequentierte Einkaufsstraße. Wir wollten die Reaktion der Leute beobachten. Zwei TV mit einer Biofrau - ein komisches Gespann? NEIN! Ich fühlte mich mit den beiden sehr wohl. Ich versuchte, die Blicke der Passanten zu erhaschen. Einige reagierten gar nicht, andere schauten kurz von oben nach unten und andere grüßten uns ganz freundlich: "Guten Abend die Damen." Ich war den Abend wohl am wenigsten Dame. Ich trug Jeans und Turnschuhe, neben den beiden völlig underdressed! Ich drehte mich auch gelegentlich mal um, um zu schauen, ob uns nachgestarrt wird. Niente. Keine Reaktionen.
An alle TV, die sich nicht auf die Straße trauen: Wenn ihr nicht gerade in einem nuttig-puffoiden Outfit durch die Gassen zieht, interessiert sich kein Mensch für Euch. Und wenn? Es ist nicht schlimm. Reagiert bei negativen Reaktionen selbstbewusst. Auf den, der Euch nicht mag, könnt ihr verzichten. Wollt ihr Freunde haben, die Euch nur en-homme akzeptieren? Sicher nicht!
Nachdem wir drei durch ein Schuhgeschäft gegangen waren (shoppen - die Lieblingsbeschäftigung von Frauen!), gingen wir noch etwas essen und machten uns auf den Weg zum Treffen. Ich war sehr gespannt, wie man mich als Biofrau in der bunten Runde aufnehmen würde. Es war alles ganz entspannt. Als ich die Toilette aufsuchte, schnürte sich gerade jemand in sein Korsett. Zunächst ein ungewöhnlicher Anblick - aber wem es gefällt, warum nicht?! Tragt das Korsett derzeit sichtbar über der Kleidung, dazu Rock und Netzstrümpfe, High Heels und vielleicht noch einen Federpuschel im Haar und dunkelrote Lippen - fertig ist das Moulin Rouge Outfit. Momentan absolut im Trend, allerdings sollte man das Abends tragen, ein echter Auftritt. Vielleicht was für die nächste Genderchange Party. Nur ein kleiner Tipp von einem fashionvictim.
Wir schauten Dias von der letzten Party in Köln und saßen beisammen. Die meisten hatten etwas Angst vor meinem Fragebogen, sie fürchteten eine psychologische Durchleuchtung. Aber ich bin eine Modetussi und interessiert am Kaufverhalten und modischen Präferenzen. Also alles ganz harmlos. Es war ein sehr schöner und interessanter Abend. Ich habe einige Erkenntnisse gewonnen und mich sehr nett mit einigen unterhalten. Es war auch ein TV en-homme anwesend, der seine weibliche Seite aussterben lassen möchte. Hierzu und zu gesellschaftlichen Restriktionen, mit denen ein TV zu kämpfen hat, möchte ich mich fremder Worte bedienen.
"Jeder Einfluss ist unmoralisch...Weil, wer einen Menschen beeinflusst, ihm seine eigene Seele gibt. Er denkt nicht seine natürlichen Gedanken und glüht nicht in seinem natürlichen Feuer. Seine Tugenden gehören nicht wirklich ihm. Seine Sünden, wenn es so etwas wie Sünden gibt, sind geborgte. Er wird ein Echo der Musik irgendeines Fremden, Schauspieler einer Rolle, die nicht für ihn geschrieben wurde. Das Ziel des Lebens ist Selbstentfaltung. Seine eigene Natur vollkommen zu verwirklichen, dafür ist jeder von uns da. Die Menschen von heutzutage haben Angst vor sich selbst. Sie haben die höchste aller Pflichten vergessen, die Pflicht, die man sich selbst gegenüber hat...ich glaube, wenn ein einziger Mensch sein Leben völlig und ganz ausleben wollte, jeder Empfindung Form, jedem Gedanken Ausdruck, jedem Traum Wirklichkeit geben wollte - ich glaube, die Welt erhielte einen solchen Schwung von Freudigkeit, dass wir all das Siechtum des Mittelalters vergäßen...Aber der Tapferste unter uns hat Angst vor sich selber. Die Selbstverstümmelung der Wilden lebt in tragischer Weise in der Selbstverleugnung fort, die unser Leben verstümmelt. Wir werden für unser Verlangen gestraft. Jeder Trieb, den wir ersticken möchten, wühlt sich im Geiste fort und vergiftet uns...Der einzige Weg, eine Versuchung loszuwerden, ist ihr nachzugehen. Widerstehe ihr, und deine Seele wird krank vor Sehnsucht nach den Dingen, die sie sich selbst verboten hat...Gut sein heißt in Harmonie mit sich selbst sein...Missklang herrscht, wo man gezwungen wird, in Harmonie mit andern zu sein. Das eigene Leben, das ist es, worauf es ankommt." (aus "Das Bildnis des Dorian Gray" von Oscar Wilde)
Lebt so, wir Ihr Euch wohlfühlt! Meine Akzeptanz habt Ihr. Ist doch alles transnormal!!!
© Mascha Katharina Hawlicek (November 2001)
Buchempfehlung
Leslie Feinberg :1998.
Träume in den erwachenden Morgen (dts. erste Auflage 1996), Krug&Schadenberg:
Berlin.
First published in USA: Feinberg, Leslie: 1993. Stone Butch Blues. Firebrand
Books: New York.
Was mich an dem Buch gefesselt hat und warum ich es an dieser Stelle empfehle:
Es ist das faszinierende Porträt einer Frau-zu-Mann Transsexuellen/ Mann-Frau (butch), die auf der Suche ist nach ihrer Identität in den USA der 60er Jahre. Sie lebt in einer Gesellschaft, die brutal alles niederschlägt, was anders ist als sie.
Less ist ein ungewolltes Kind eines jüdischen Ehepaars aus dem Arbeitermilieu einer Industriestadt im Staate New York, Buffalo. Die ersten vier Jahre überlebt Less, weil sich eine Nachbarin, eine Dineh-Indianerin liebevoll um das verwahrloste Kind kümmerte. So wuchs Less in zwei Welten auf, in einer kalten, aber ihrer Welt (der Welt der Eltern) und einer warmherzigen, aber nicht ihrer Welt (die Welt der Indianer). Less war anders, sie war nicht Mädchen nicht Junge. Ihre Umwelt reagierte auf ihr Anderssein mit Haß und Brutalität hinter der sich blanke Angst versteckte.
Angst, Einsamkeit, dem Wunsch dazuzugehören, Liebe zu geben, Liebe zu empfangen, sich und den Anderen zu verstehen sind Kernthemen neben der Suche nach dem Wer-bin-ich, der Suche nach dem Ich in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, der Suche nach der eigenen Identität, dem Nicht-Aufgeben, trotz endloser Verletzungen. Ein faszinierender Lebensbericht einer ungewöhnlichen Frau, der zugleich Angst vor Konsequenzen und Mut zu sich selber zu stehen vermittelt. Ob Mann oder Frau, dunkel- oder hellhäutig, ob hier Geborene oder Zugereiste, ob TS oder TV, ob Homo-, Heterosexuell oder eine Mischform aus allem, die Suche nach dem Wer-bin-ich und Zu-wem-gehöre-ich betrifft uns alle.
Ein Buch, das helfen kann, sich zu entdecken und zu sich zu stehen, sowie den Andern in seiner Andersartigkeit als Mensch anzunehmen. Nach dem Motto: Mache es wie Gott, werde Mensch.
Im Fenster
hast du es gesehn
und konntest dann nicht widerstehn.
Es hat dich magisch angezogen
mit Schönheit dich zum Kauf bewogen.
In Trance
gehst du in den Laden:
"Dies Kleid dort drüben muß ich haben."
Verdutzt
schaut die Bedienung dann,
denn vor ihr stehst du ja als Mann.
"Welche Größe hat die Frau?
Das muß ich wissen ganz genau."
Du schluckst;
wie sollst du es ihr sagen?
Das Kleid willst du ja selber tragen.
"Vom Karneval weiß ich genau,
mir passen Kleider meiner Frau.
Drum würd ich schlüpfen gern zur Probe
in diese wundervolle Robe."
"Nun
gut mein Herr, dann soll es sein,
in die Kabine bitte rein,
ich hol das Kleid und bring es dann
und sie probiern es kurz mal an."
Sie kommt
zurück und sieht verdutzt,
Du hast die Zeit noch nicht genutzt.
Denn dir fiel ein mit viel Verzagen,
du willst ja immer Nylons tragen.
"Den
Anzug müssen sie schon lassen,
sonst wird das Kleid bestimmt nicht passen.
Nun ziehn sie Hemd und Hosen aus,
so macht man es in diesem Haus."
Da ohne
Kleid du wollst nicht gehn,
bekam sie es nun doch zu sehn,
daß unter deinen Herrensachen
zarte Dessous dich glücklich machen.
Doch keine Miene sie verzogen,
hat sie das Kleid dir angezogen.
"Es
paßt ja wirklich ganz genau,
sie sehen gut aus, gnädge Frau.
Wollen sie es so belassen
oder doch verpacken lassen?"
Wie gerne
würdest du es wagen,
das Kleid am Leib nach Haus zu tragen.
"Nein
packen sie es bitte ein,
ich trag so etwas nur daheim."
Und schließlich gingst du armer Tropf
hinaus mit Kleid und rotem Kopf.
Gerda Sonjawaska
Entnommen
dem Buch: Mein heimliches Auge,
Jahrbuch der Erotik XIV, konkursbuch 1999

Der Mittwoch dieser Woche war ein ganz besonderer Tag für mich. Ich hatte Urlaub und Angi in Köln einen freien Tag. Kurz vor 10 Uhr am Morgen bin ich mit dem Wagen nach Köln zu ihr aufgebrochen - mit meiner gesamten Garderobe dabei. Während ich mich bei ihr schminktechnisch zurecht machte, suchte sie auf meinen Wunsch hin aus meinen (relativ wenigen) Röcken, Blusen, Pullis die Kombination aus, die mir ihrer Meinung nach am besten für einen Shoppingbummel durch Köln steht: möglichst weiblich-attraktiv, aber nicht zu unmittelbar auffällig. Weil es ein schöner sonniger Herbsttag mit angenehmen 18 - 22 Grad war, fiel ihre Wahl auf einen (grauen) Minirock, kombiniert mit einer orangefarbenen Satinbluse und darüber ein dünner schwarzer Pulli. Ich selber hätte mich wahrscheinlich nicht für den Minirock entschieden (zu gewagt?), aber ich hatte mich entschlossen, mich ganz auf das weibliche Urteil von Angi zu verlassen. Das ganze abgerundet durch eine schwarze Strumpfhose und Pumps (die "braven" schwarzen, nicht die roten). Da ich (noch) keinen Mantel zum Ausgehen habe (stand auf dem Kaufprogramm), hat mir Angi als Tüpfelchen auf dem i noch ihre schicke schwarze Lackjacke geliehen (und am Ende dann geschenkt).
Weil das Wetter so schön war, gingen wir von Angi's Wohnung aus zu Fuß durch den Rheinpark ins Zentrum. Außerdem traute ich mich nicht gleich zu Beginn der Unternehmung schon unter die vielen Leute in der Straßenbahn. Angi hatte leichte Bedenken, ob ich die Strecke von doch ca. einer guten dreiviertel Stunde und danach noch durch die Stadt in meinen Pumps auch gehen könnte? Ich habe sie beruhigt: kein Problem, habe die Pumps schon öfter ohne Schwierigkeiten mehrere Stunden an den Füssen gehabt.
Also los.

Es war wirklich schon ein aufregendes (Hoch)Gefühl, als Donna aus Angi's Wohnung ... durchs Treppenhaus runter ... auf die Straße Richtung Rheinpark zu gehen. Es war insbesondere auch deshalb ein traumhaft schönes Gefühl, weil ich mit Angi als Biofrau in (echter) weiblicher Begleitung war. Tolles Wetter, schöner Park, der Rhein, eine gut gelaunte Angi als weibliche Begleitung ... tief durchatmen ... und Donna sein! Toll, ein absolutes inneres Seele baumeln lassen! Es waren einige Leute im Park unterwegs, aber nicht sehr viele - zum Eingewöhnen gerade richtig. Zwischendurch hat Angi immer wieder mal Fotos gemacht. Zu meiner Überraschung musste ich am Ende unseres Weges durch den Park aber doch feststellen, dass mein linker Pump und der kleine Zeh darin sich diesmal nicht recht miteinander anfreunden konnten. Rechts war alles in bester Ordnung.

Nachdem wir den Rhein über die Hohenzollernbrücke gequert hatten, steuerte Angi das Römisch-Germanische Museum an, da sie dringend zur Toilette musste. Ich habe die Gelegenheit natürlich auch genutzt, zum erstenmal eine Damentoilette von innen kennen zulernen und mir dabei ein Pflaster (habe ich sicherheitshalber immer in meiner Handtasche dabei) über den linken kleinen Zeh zu kleben. Leider hat das in der Folge fast nichts geholfen, aber dadurch habe ich mir den Tag nicht verdrießen lassen.
Das nächste Ziel war Bijou Brigitte, nach Modeschmuck Ausschau halten. Habe mir drei Ringe gekauft, war zwar nicht genau das, was ich mir so vorstellte, aber für den niedrigen Preis waren sie ok. Wenige Meter weiter dann eine große Buchhandlung. Suche ein Schminkbuch mit bebilderten Anleitungen für das perfekte Make Up. Trotz einiger Auswahl aber nichts nach meinem Geschmack gefunden.
Die massenhaft vielen Leute in der Hohe Straße waren für mich jetzt doch gewöhnungsbedürftig und die zauberhafte Leichtigkeit des Donna-Seins vom Rheinpark wich einer gewissen Angespanntheit. Die Anwesenheit von Angi war da schon sehr ausgleichend und ermutigend. Ohne sie wäre ich innerlich sehr viel verkrampfter gewesen und hätte den Tag bei weitem nicht so genießen können.
Als nächstes zum Kaufhof, nach preisreduzierten Wolfordstrümpfen schauen (war nichts da, zwei von BI gekauft), in die Mantelabteilung (nichts gefunden, was mir vorschwebte) und dann zu den Dessous. Dort fiel mir ein figurformendes Miederteil in die Augen, Größe 85B. Passt, oder passt nicht? Diesmal war es ja ganz einfach: ich brauchte nur in die Umkleidekabine und anprobieren! Gedacht, getan -, alles kein Problem. Ich habe das Teil dann nicht gekauft, es passte zwar, aber ich liebe es möglichst eng am Körper und ich wollte erst woanders nach einer Größe kleiner (80B) schauen.
Also auf zu Emotions, nur wenige Minuten zu Fuß weiter in der Schildergasse. Emotions ist ein großes, spezielles Dessousgeschäft mit einer sehr großen Auswahl und vielfältigen Sonderangeboten. Man kann hier auch als Mann in aller Ruhe schauen und aussuchen (aber wohl nicht anprobieren). Ein Miederteil wie im Kaufhof in kleinerer Größe war aber nicht zu finden. Einige andere Dessous haben mich schon im Sinne des Wortes gereizt, habe aber trotzdem nichts gekauft, da ich mit solch zarten Teilen schon gut bestückt bin. Man muss sein Geld auch mal zusammenhalten können.
Das nächste Ziel, auch nur ein paar Fußminuten weiter, war dann Karstadt. Neben Kaufhof ist auch Karstadt oft eine gute Quelle für preisreduzierte Wolfordstrümpfe und -bodys. Aber diesmal war nichts zu finden. Auch das Miederteil in kleinerer Größe in der Dessousabteilung nicht.
Fest vorgenommen hatte ich mir auf jeden Fall den Kauf von ein Paar Stiefeln und fest eingeplant war deshalb der Besuch bei Marion Spath, einem Spezialschuhgeschäft für (Unter-) und Übergrößen. Da die Preise dort relativ hoch sind, vorher noch einen Abstecher zu C&A, dort gibt es Schuhe auch in großen Größen 42 - 45. Aber wie schon fast zu erwarten, eben alles C&A mäßig und nicht sehr überzeugend.
Zu Marion Spath war es ebenfalls zu Fuß nicht sehr weit, aber mit meinem inzwischen sehr lädierten linken kleinen Zeh doch nur mühsam zu gehen. Von Marion Spath sind auch die Pumps, die mir jetzt solche Probleme machen. Warum gerade hier und heute und überhaupt zum erstenmal - keine Ahnung. Die Bedienung (die Mutter von Marion Spath) ist sehr freundlich und aufgeschlossen - man merkt, dass sie TV öfter als Kunden hat. Ich war der einzige Kunde, bzw. die einzige Kundin im Geschäft. Im Katalog hatte ich mir schon einen Stretchstiefel ausgeguckt, den ich jetzt anprobiere. Passt wie angegossen, liegt eng am Bein an, sieht gut aus - und hat deutlich mehr Platz im Zehenbereich, als meine Pumps. Mein linker kleiner Zeh jubelt, der rechte versteht die ganze Aufregung nicht. Alternativ noch ein Paar Lederstiefel anprobiert. Die liegen aber nicht am Bein an, stehen oben ab, fast wie Gummistiefel. Angi und Frau Spath begutachten das alles aufmerksam und sparen nicht mit wohlmeinenden und empfehlenden Kommentaren. Die Stretchstiefel werden gekauft! Zwischendrin war des öfteren Baulärm aus dem Kellergeschoss zu hören. Ein Bauarbeiter kommt mehrfach mit Bauschutt von unten hoch und quert den Laden. Er mustert mich jedes Mal aufmerksam und neugierig, aber seine Miene verrät ansonsten nichts. Ohne Kaufabsicht probiere ich noch einen Langschaftstiefel aus schwarzem Lack mit 50 mm Plateausohle und 160 mm Absatz. Der Schaft reicht bis weit zu den Oberschenkeln hoch und die Nettoabsatzhöhe von 110 mm ist noch höher, als bei meinen rubinroten HH Pumps mit 95 mm. Das Gehen ist sehr gewöhnungs- und übungsbedürftig. Ich probiere das eine Weile hin und her vor dem großen Spiegel. Angi und Frau Spath schauen interessiert zu und diskutieren über die richtige Gehweise in solchen Stiefeln. Die gekauften Stretchstiefel lasse ich gleich an und zufrieden (der linke kleine Zeh sieht das auch so) verlassen Angi und ich den Laden.
Es ist jetzt etwa halb sechs und wir haben mein vorgenommenes Shoppingprogramm durch. Angi war sehr geduldig, aber langsam reicht es ihr. Sie ist kein Typ, der am ausgedehnten Shoppen Spaß hat. Als letztes noch mal kurz beim Kaufhof vorbei, das Miederteil gekauft.
Wir waren bis dahin fast sechs Stunden ununterbrochen auf den Beinen. Es war alles so interessant, dass für Hunger und Essen keine Zeit bliebt, aber jetzt meldete sich doch der Magen mit einem leichten Knurren. Das wurde mit Teilchen bzw. einem Baguette zum Schweigen gebracht und wir machten uns auf den Nachhauseweg. Die Sonne schien immer noch und wir genossen ein zweites mal den schönen Weg durch den Rheinpark.
Zu Hause bei Angi, halb sieben, wurde noch schnell ein Kaffee gekocht und dann musste sie auch schon weg zu einer Fortbildungsveranstaltung. Ich fuhr sie (immer noch als Donna) mit meinem Wagen hin und überlegte, was ich mit dem angebrochenen Abend noch machen konnte. Am Seminarort angekommen führten mich die Kölner Ringe Richtung Autobahn Bonn und ich beschloss, noch einen Abstecher nach Bonn zu machen.
Den Wagen parkte ich in Poppelsdorf in einer ruhigen Gegend. Mein sehr kurzer Minirock kam mir jetzt abends und im Dunkeln etwas unpassend vor und ich tauschte ihn im Wagen gegen einen "braveren" dunkelblauen Rock mit einer Länge bis knapp oberhalb der Knie aus. Was ich aber nicht bedacht hatte war, dass dieser Rock vorne auf der linken Seite einen Schlitz hat, der beim Gehen den linken Oberschenkel bis ziemlich weit oben frei gibt. Den Rock also einfach soweit nach links gedreht, bis der Schlitz jetzt ganz auf der linken Seite war und vom Lackmantel verdeckt wurde. Dass jetzt die eigentlich rechte Rockseite vorne war, fiel im Dunkeln eh nicht auf.
So ging es dann im abendlichen Dunkel durch die schön beleuchtete Poppelsdorfer Allee, mit ebenfalls beleuchtetem Poppelsdorfer Schloß, zum Marktplatz im Stadtzentrum. Selbst in den neuen und weiteren Stiefeln war das Gehen jetzt aber mühsam. Anscheinend war der linke kleine Zeh in der Ruhephase bei Angi und während der Autofahrt kräftig angeschwollen und es hatte sich eine mit Wasser prall gefüllte und sehr schmerzhafte Blase gebildet. Der Rückweg zum Auto war dann arg mühsam und im Nachhinein gesehen war dieser Ausflug, zumindest aus Sicht des kleinen Zehs, keine so gute Idee gewesen.
Der Heimweg war dann noch knappe anderthalb Stunden Autobahnfahrt. Ganz gemütlich und entspannend in meinem leise vor sich hinschnurrenden Auto. Vor dem Öffnen der Haustür war aber noch ein Problem zu lösen: Donna musste sich wieder in ihr Original zurück verwandeln. Der Sohn war zu Hause und um diese Uhrzeit (gegen 22 Uhr) sicher noch nicht im Bett. Dafür hatte ich vorgesorgt: Hose, Hemd, ... hatte ich vor der Abfahrt in Bonn griffbereit auf den Beifahrersitz gelegt. Kurz vor der Autobahnausfahrt nach Hause bog ich auf einen Autobahnparkplatz ab, war aber alles mit LKW besetzt. Der nächste Parkplatz war dann auch schon der letzte vor der Ausfahrt. Hier war noch ein Platz zwischen zwei LKWs und alles in tiefes Dunkel gehüllt. Das Umkleiden im dunklen Wagen ging in Minutenschnelle und war kein Problem. Um das Make Up zu entfernen, hatte ich mit entsprechender Lotion getränkte Abschminktücher von Nivea und ein Handtuch dabei. Mit zwei Tüchern war alles in einer Minute erledigt - soweit das im schwachen Licht des Schminkspiegels in der Sonnenblende des Wagens zu beurteilen war. Das war alles so theoretisch vorgeplant, hier zum erstenmal ausprobiert und speziell das "trocken" Abschminken hat bestens funktioniert.
So konnte ich denn die restlichen 10 Minuten in tiefer Zufriedenheit über diesen ungewöhnlichen Tag nach Hause fahren.
Damit ist meine Geschichte zu Ende und es schließt sich der Kreis zum Anfang.
Mein linker kleiner Zeh (und nur dieser!) hat mir die folgenden zwei Tage so große Probleme bereitet, dass ich nur noch mühsam humpeln konnte. Meine Frau hatte ihren Spaß daran und konnte ihre (wohlmeinende) Schadenfreude nicht unterdrücken. Eigentlich wollten wir bei dem schönen Wetter wandern gehen, aber nach den ersten drei Metern in den Wandernschuhen vom Wanderparkplatz aus musste ich schon aufgeben. Meine Frau (und ich) haben es mit Humor genommen und wir sind wieder nach Hause gefahren. Ersatzweise habe ich mir im Baugeschäft einen Boschhammer ausgeliehen und angefangen im Keller in den Betonboden Gräben für die neue Verlegung von Abwasserleitungen zu schlagen. Mit vorne weiten Gummistiefeln an den Füssen, war das für den kleinen Zeh so gerade noch erträglich. Dank dieses Handikaps sind inzwischen alle Betonstemmarbeiten erledigt und der Zeh befindet sich auch mit großen Schritten auf dem Weg der Besserung. Bis Anfang November sollte er also wirklich wieder fit für eine richtige Wanderung sein.
© 10.2001 Donna
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Charlotte von Mahlsdorf
Westöstlicher DIWAN