Röcke für Männer?In der westlichen Zivilisation bleiben Männer bei der Kleidung auf Hosen beschränkt. Dies muss nicht sein. Eine Ausstellung im New Yorker Metropolitan Museum of Art über Männerröcke beweist das Gegenteil. "Men in Skirts (Männer in Röcken)" zeigt über hundert Modelle von Röcken für Männer, vom Schottenkilt bis zu modernen Designer-Entwürfen. Vorreiter war der Franzose Jean-Paul Gaultier. Schon 1984 nahm er einen Rock in seine Männerkollektion auf. "Ein Mann trägt seine Männlichkeit nicht in seinen Kleidern; sie ist in seinem Kopf", sagte Gaultier. Also, warum nicht auch Röcke tragen. Das tut der Männlichkeit keinen Abbruch. Keine Chance! Zwar zuckt niemand mit der Wimper, wenn der britische Thronfolger Prinz Charles im Schottenrock aufkreuzt. Dem Rockträger und Popstar David Bowie verzeiht man sowieso alles. Der "Mann auf der Straße" bleibt hartnäckig bei der Hosenmode. Dabei waren Tuniken bei den alten Griechen und Römern völlig alltäglich. In anderen Teilen der Welt sind flatternde Männergewänder auch heute noch gang und gäbe. Doch nicht einmal Neuauflagen des klassischen Kilts finden ihren Weg in die Schränke von Otto Normalverbraucher. Die Frauen dagegen übernahmen im 16. Jahrhundert Hüte, im 18. Jahrhundert Jacken. Bis zum 20. Jahrhundert dauerte der Sturm auf die letzte Bastion der Männerkleidung, die Hose. Übernahmen in umgekehrter Richtung hat es kaum gegeben. Ich denke, das ist auch gut so. Was würden Transvestiten anziehen, wenn Röcke bei den Männern in Mode kämen? Da fehlt dann doch jeglicher Reiz und der besondere Kick. Oder?
Bemerkungen und Kommentare an TVV-Frankfurt
Kommentar und Kritik von Lydia Röcke für Männer? Kürzlich habe ich als Gast am Gruppentreffen von TVV Frankfurt teilgenommen und dabei das Thema praktisch vorgeführt. Meine Kritik an Eurer Seite "Röcke für Männer" auf Eurer Homepage möchte ich auch auf diesem Weg formulieren: 1. Die Analyse des Autors ist teilweise falsch. Tragbare Röcke speziell für Männer wurden von den Modeschöpfern nicht entwickelt ( dies ist m.E. auch nicht nötig, da Mann einige der vorhandenen , sog. Damenröcke als Teil der Männerkleidung sehr gut verwenden kann; dies habe ich zu zeigen versucht) . Die angesprochene Ausstellung habe ich 2002 in London gesehen: gruselig!! Abgesehen vom Modell eines Japaners ( langer, schwarzer Rock) und einem Schottenrock (das ist keine Modeschöpfung, sondern traditionelle Kleidung) wurden ausschließlich Modelle gezeigt, die kein Mensch, weder Mann noch Frau, hätte tragen können. Diese Ausstellung hat das unzutreffende Vorurteil, Röcke seien für Männer ungeeignete Kleidungsstücke, deutlich bestärkt. 2. Die Analyse hinsichtlich des Erfolges der Frauen bei der Durchsetzung des Rechtes zum ( uneingeschränkten )Tragen von Männerkleidung ist richtig. Es handelt sich um eine Forderung aus der Französischen Revolution, die damals von den Männern ( erfolgreich ) abgelehnt wurde. Ein Teil der Frauen hat dieses Recht für alle Frauen gegen den Widerstand von Männern (und leider auch Frauen) mit einem sehr langen Atem im Laufe von etwa 200 Jahren erkämpft. 3. Aus welchem Grund soll im Gegenzug Männern das Recht auf das Tragen von Frauenkleidung verwehrt werden? Eine vernünftige Begründung kann ich Eurer Seite nicht entnehmen. Das ausgerechnet eine Selbsthilfegruppe von Transvestiten sich ausgerechnet im Bereich Kleidung ohne eine nachvollziehbare Begründung für eine vollkommen unnötige Einschränkung von Freiheit ausspricht, ist für mich unbegreiflich. 4. Ich trage in der vorgeführten Weise gelegentlich einen Rock als Teil von Männerkleidung. Dies ist aber überhaupt kein Hinderungsgrund für mich, zu anderen Zeiten mein weibliches Erscheinungsbild zu zeigen. Warum soll sich hier ein Problem ergeben? Warum soll für mein Auftreten als Frau das Auftreten von Männern in Röcken ein Problem darstellen? 5. Der Ruf des Autors nach einer Einschränkung von Freiheiten für Männer zum Erhalt eines "Kicks" für Transvestiten beim Tragen von Frauenkleidung spricht für einen unreifen Umgang mit der eigenen Weiblichkeit. Vergleichbar wäre etwa die Forderung nach einer Wiedereinführung des §175 Strafgesetzbuch durch einen homosexuellen Mann mit der Begründung, dass nur bei einem Verbot der richtige Kick beim Sex zwischen Männern aufkommt. 6. Nach meiner etwa 10-jährigen Erfahrung mit Auftritten in der Öffentlichkeit als Frau und gelegentlich als Mann mit Rock sind viele Menschen sehr tolerant. Das ich ausgerechnet auf der Homepage von TVV Frankfurt auf die vollkommen unnötige Forderung nach partieller Intoleranz stoße, kann ich nicht akzeptieren. Daher lautet meine Forderung: Nehmt die Seite "Röcke für Männer" von Eurer Homepage! Lydia |